Impressum  Kontakt Budapest - Istanbul  6. Mai 2013 - 14. Juni 2013  Schlammpisten in Ungarn  Wow morgen werden wir die 2000 km Grenze überfahren. Unsere Kondition und die  Fahrkünste auf dem Velo steigen bald ins Unermessliche. Fahren im turbulenten  Stadtverkehr, auf überfüllten Fußgänger Passagen, Singeltrails ohne Federung, dafür  mit 25 kg Gepäck beladen oder gegen den Wind strampeln gehören jetzt zu unserem  Alltag. Aber auch dahinflitzen mit dem Wind als Turboboost im Rücken. Etwas vom  Schönsten auf Erden. Während der Fahrt essen, trinken, an- und ausziehen,  fotografieren, filmen, erholen und lesen wird stetig einfacher.   Im Moment befinden wir uns auf einem tollen Campingplatz in Kopacevo/ Kroatien, der  mit viel Gastfreundschaft und Wohlwollen von Bela betrieben wird. Zur Begrüssung gibt  es Birnenschnaps, zur Verdauung Pelinkovac (sprich: Appenzeller, sehr gesund !) und  die Grillplatte wird auch sogleich angeworfen. An dem feucht- fröhlichen Abend gestern  handelte Andy für uns drei fast gratis Kost und Logis aus, in dem er anbot für die  Übernachtung den Rasen des gesamten Campings zu mähen. Eher schwer zu verstehen  war es für die Menschen hier, dass wir kein Fleisch essen möchten. Aber nach  dreimaligem Nachfragen, ob es denn nicht auch eine Fischsuppe sein könne, entschied  sich Bela panierte Pilze für uns über dem Feuer zu braten. Im Schweineschmalz,  versteht sich. *g* Natürlich sahen wir grosszügig darüber hinweg und genossen die  leckeren, frischen Baumpilze.   Unterwegs sind wir auf Oliver aus Chur getroffen. Er fährt mit dem Velo ans Schwarze Meer und da wir dieselbe Richtung und  in Etwa denselben Rhythmus haben, beschlossen wir einige Tage gemeinsam zu radeln.   Schlammstrassen und blockierte Räder in Ungarn  Budapest genossen wir besonders. Wir sind für drei Nächte bei Laszlo zu  Besuch gewesen, einem Freund von Andy. Und noch zwei weitere Nächte bei  Kinga, einer Freundin von mir. Es war sehr toll sie und ihre Familien wieder  zu treffen. Wenn man auf Reisen ist, dann ist es das schönste, wenn man  sich irgendwo, fern der Heimat so wohl wie zu Hause fühlt. Solchen Plätze zu  finden, ist gleichsam Erholung und Seelenbalsam.  Wir hoffen solche Plätze vermehrt bei den Mitgliedern des  „warmshowers.org-Netzwerk“ zu finden. Dies ist wie couchsurfing eine  Internetplattform, auf der velofahrende Personen aus aller Welt ihre Couch  oder eine warme Dusche mit Schlafplatz anbieten. Deshalb freuen wir uns  jetzt schon Ivan und seine Familie aus Procarevac/ Serbien kennen zu  lernen.  Atemberaubende serbische Donau und skurriles Bulgarien  Serbien wartet mit einem weiteren Highlight des Donauradwegs auf, dem Eisernen Tor! Die Donau hat sich hier zwischen  Donji Milanovac und Kladovo tief in den Kalksteinfelsen gefressen. Die Landschaft ist an und für sich schon imposant. Mit  dem aufkommenden Gewitter welches uns schon den ganzen Tag vor sich hergetrieben hat, wurde die Stimmung im Tal fast  ehrfürchtig und gleichzeitig bedrohlich. Genau als es wie aus Kübeln zu schütten begann erreichtren wir das letzte der 25  Tunnel, die einem den Weg durch die Schlucht erleichtern. Nach einer Stunde war der Spuck vorbei. Die Sonne schaute  wieder aus den Wolken und wir wurden mit  einer phantastischen Aussicht und Stimmung belohnt.  Bei Negotin verliessen wir Serbien und überqueren die Grenze nach Bulgarien. Ein neues Land heisst immer auch etwas  "Arbeit". Neues Geld organisieren, neue Karte kaufen und was heisst jetzt schon wieder "Guten Tag" oder "Danke" auf  Bulgarisch! Immerhin können wir das kyrillische Alphabet mittlerweile recht gut lesen. Die ersten paar Kilometer fuhren wir  durch ärmliche und verlotterte Romadörfer. Nach Lom, der ersten grösseren Stadt, hatte sich der erste Eindruck aber  relativiert und wir lernten Bulgarien auch von seinen schönen Seiten kennen. Die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit.  Wann immer wir jemanden fragten, wo wir zelten können fand sich ein gutes Plätzchen oder sogar eine Einladung zum  Frühstück. Eindrücklich waren die riesigen und sehr protzigen Ortstafeln im Stil der alten Sowjetunion. Auch sonst stammten einige  Gebäude und Infrastrukturen aus der Sowjetzeit. Bei Svishtov verliessen wir nach rund 3000 Kilometern die Donau und  radelten in südöstlicher Richtung dem Schwarzen Meer entgegen. In Varna erreichten wir die Küste und landeten in einer  Touristenhochburg. Ständig wollte man uns ein Hotelzimmer, Haschisch oder sonst was andrehen… wir flüchten! Die Flucht  führt über einige Hügel der Küste entlang. Hier wurden uns keine Souvenirs mehr angeboten, aber am Strassenrand gingen  regelmässig leicht bekleidete Damen dem ältesten Gewerbe nach.  An der Küste waren die unzähligen überdimensionierten Hotelanlagen auffällig. Einige fertig gestellt, aber die meisten noch  im Bau oder irgendwann vielleicht wieder im Bau. Manchmal hatten wir echt Mühe ein schönes Plätzchen zu finden. Dann  steuerten wir einen der seltenen Campingplätze an. Campingplatz in Bulgarien bedeutet aber Bungalow, denn auf Leute mit  Zelt sind sie nicht eingestellt und oft gibt es nicht mal Platz dafür. Der Küste entlang fuhren wir oft auf autobahnähnlichen  Strassen, doppelspurig und richtungsgetrennt. Hier verlangten die Bulgaren unseren alten Exportautos aus dem Westen das  Äusserste ab. Wir sind froh, als es bei Tsarevo wieder in die Berge und Richtung türkischer Grenze geht. Nach zwei anstrengenden und  feuchten Tagen erreichen wir bei Malko Tarnovo die Grenze. Pass zeigen. Ausreise aus Bulgarien. Mit dem Pass ins Office. Am  Schalter für "Einreise ohne Fahrezeug" einen Stempel holen. Weiter bis zur Schranke. Stop. Stempel zeigen. Einreise in die  Türkei.  < Übersicht