Impressum  Kontakt Laos 10.01. - 04.02. 2014  Abschied vom Reich der Mitte  Etwas wehmütig verbringen wir die letzten Tag in China. Nach dreieinhalb Monaten im Reich der Mitte wissen wir wie der  Hase hier so läuft und wie wir bekommen, was wir wollen. Zum Beispiel haben wir uns an die chinesische Währung, den Yuen  gewöhnt und kennen die Preise. Ebenso können wir einige Worte Auskunft übers Woher und Wohin geben. Solche Dinge  erleichtern und bereichern den Reisealltag enorm. Anderen Radnomaden, die uns etwa einen Monat voraus sind, loben jedoch  Laos in den höchsten Tönen. So bringt jeder Abschied auch einen Neuanfang und wir freuen uns im neuen Jahr, in einem  neuen Land unerwartete Abenteuer zu erleben. Die Kinder von Laos  Die Ausreise von China nach Laos ist um ein vielfaches unkomplizierter als   die Einreise von Kirigistan. Das erste, das uns in Laos auffällt und  begeistert sind die vielen winkenden und „Sabeideee“ schreienden Kinder.  Schon die ganz kleinen Knirpse winken uns zu und diese, die noch auf den  Rücken von Eltern oder Geschwister gebunden sind, werden angelernt,  sobald wir auf unseren Stahlrössern angeflitzt kommen. Sind wir in China  grosse Gruppen von älteren Menschen begegnet, treffen wir hier auf  unglaublich viele Kinder. Dies hängt sicherlich mit der chinesischen Ein-  Kind-Politik und der Armut von Laos zusammen. Als eines der ärmsten  Länder der Welt fehlen hier das Wissen und Möglichkeiten der  Familienplanung. Zudem stellen hier die Kinder die Altersvorsorge dar.  Viele dieser Kinder sehen wir schon in sehr jungen Jahren bei der Arbeit.  Dies leider oft auf Kosten der Schulbildung. Diese Armut bekommen auch  wir auf die eine und andere Weise zu spüren. In Laos finden wir nicht wie in China, in jedem Dorf eine Nudelbude oder ein  Restaurant, in dem wir uns für das Nachmittagsprogram stärken können. Und auch die spärlichen Läden führen oft nur ein  Sortiment, das uns wieder mit leeren Händen, hängenden Köpfen und hungrigen Mägen weiterziehen lässt. Nicht einmal  mehr „Snickers“ (mein Hauptverpflegungsmittel für Zwischendurch) sind zu finden. Dafür finden wir hier oft unbebaute Natur.  Kein einziger Highway zieht sich durch die Landschaft. Industriegebiete, Hochhäuser und sonstige Überbauungen finden sich  praktisch keine und die Strassenränder sind beinahe frei von Plastik und Abfall. In vielen Ländern und so auch hier  beobachten wir, dass Wohlstand und Natur- und Umweltschutz offensichtlich schwer miteinander zu vereinen sind… Die Touristen von Laos  Eine Haupteinnahmequelle für Laos ist der Tourismus. Wir erschrecken fast ein wenig, als uns im ersten Ort zwei  „Falangs“  (Weisse) in Urlaubsstimmung entgegenkommen. Seit Monaten haben wir nicht mehr so viele Westler gesehen wie hier an  einem Abend. Aber noch ausgeprägter wird das Erlebnis, als wir beschliessen in zwei Tagen mit dem Boot nach Luang  Prabang zu reisen.  Aufstand auf dem Slow- Boat Um dieses Land noch aus einer anderen Perspektive als von der  Strasse aus zu geniessen, kaufen wir zwei Tickets für ein Slow Boat.  Zehn Uhr dreissig ist offizielle Abfahrtszeit. Nach eineinhalb Stunden  Wartezeit auf dem Boot begrüsst ein Reiseführer die ganze  Touristenschar. Diese Gelegenheit nimmt ein drahtiger, grau melierter   Mitreisender zum Anlass, sich lauthals über die Wartefrist zu  beschweren. Er vermutet, dass die Bootsbetreiber nur auf weitere  Gäste warten, um das schon gut gefüllte Boot noch mehr zu beladen.  Innert Kürze entsteht ein Tumult und eine grosse Gruppe im hinteren  Teil des Bootes schreit im Chor, dass sie keine weitern Passagiere auf  dem Boot wollen. Doch genau jetzt steigt tatsächlich eine riesen  Gruppe Touristen aus dem Bus, die noch auf das Boot sollen. Bestürzt  schauen sie auf das schon volle Schifflein. Die schon auf dem Boot  sind, fürchten sich um ihre Sicherheit. Das Chaos ist perfekt, als eine  Passagierin den Eingang zum Schiff blockiert.   Während des ganzen Aufruhrs preist der laotische Reiseführer  Zimmer in einem Hotel an und kassiert von uns und einigen  anderen den Zimmerpreis im Voraus und verschwindet dann. Nach  etwa einem halbstündigen Hin und Her, sehen auch die  Bootsbetreiber ein, dass ein zweites Boot von Nöten ist. Und  endlich geht die Fahrt nach zweieinhalb Stunden Warterei los. Kaum hat sich die Situation beruhigt, dämmert mir, dass wir  bestimmt in eine Touristenfalle geraten sind. Ich bin plötzlich  überzeugt, dass das Hotel, das wir bezahlt haben, gar nicht  existiert und der nette laotische Reiseführer mit dem vielen  Scheinen in der Hand über alle Berge ist. Wie dumm von uns!  Noch nie gab es auf unserer Reise einen Grund misstrauisch zu  sein. Als wir endlich im Dunkeln in dem Dorf anlegen und wir  feststellen, dass es das bezahlte Hotel tatsächlich gibt, fällt mir ein Stein vom Herzen. Umso grösser ist die Freude, als wir sehen,  dass es sogar die Qualitäten aufweist,  die uns versprochen  wurden. Wir sind erleichtert und sehr froh, dass wir uns auch in  Laos auf die Lokalbevölkerung verlassen und ihnen trauen können.  Beförderung zum Floss-Kapitän Auf dem Slow Boat befindet sich auch ein französisches Paar, welches ebenfalls seit  zwei Monaten mit den Velos in Südostasien unterwegs ist. Da das Boot 6 km  ausserhalb von Luang Prabang anlegt, radeln wir zusammen in die Stadt und suchen   ein Guesthouse. Nach einigen Tagen Aufenthalt in diesem Touristen-Mekka  beschliessen wir, gemeinsam weiter zu fahren. Solche temporären  Reisegesellschaften sind bereichernd und bringen Abwechslung in unseren Alltag.   Als Erstes warten nochmals anstrengende Berg-Etappen auf uns. Dank unserem  harten Waden-Training in Südchina können wir die wunderbare Natur trotz der  Strapazen geniessen. Nach einer berauschenden Abfahrt entspannen wir uns beim  Bad in heissen Quellen, bevor wir am nächsten Tag Vang Vieng erreichen. Dort  wollten wir und Sandra und Pierre schon wieder getrennte Wege gehen, als beim  Frühstück eine verrückte Idee aufkommt: Um eine viel befahrene Strasse zu  umgehen, wollen wir mit einem Floss den See überqueren!   Aus dem anfänglichen Spass wird Ernst und so besorgen wir noch am   selben Tag acht grosse Lastwagenschläuche, Seil und genügend  Vorräte. Schwer beladen pedalen wir zum 25 km entfernten See und  schlagen unser Lager auf. Innert Kürze sind wir von Kindern und  Erwachsenen umringt. Der Nachbar von nebenan versteht schnell, was  wir vorhaben und packt sogleich tatkräftig mit an. Mit seiner  Unterstützung ist das Grundgerüst aus Bambusstangen und den acht  Reifen bereits nach wenigen Stunden fertig. Aus Bambusgeflecht  konstruieren wir Sitzbänke und eine grosse Fläche für das viele Gepäck.  Gespannt und unter den kritischen Blicken der Dorfbewohner lassen wir  das Floss zu Wasser. Es schwimmt, hurra! Auch als alle Taschen und die  Velos aufgeladen sind, ragt es noch genügend weit aus dem Wasser.  „Floss Ahoi“ und los geht’s. Wegen des Gewichts und der untrainierten  Arme, kommen wir nur sehr langsam voran. Deshalb wird das Floss mit  etwas Seewasser feierlich auf den Namen Escargot (Schnecke) getauft. Die Langsamkeit stört uns aber nicht im Geringsten, denn langweilig wird  uns nicht. Mit Paddeln, Schwimmen, Fotografieren, Segel improvisieren oder  einfach Geniessen vergeht die Zeit wie im Flug. Bis auf vereinzelte  Fischerboote sind bald keine anderen Spuren der Zivilisation mehr zu sehen.  Gegen Abend suchen wir uns jeweils eine der unzähligen kleinen Inseln aus,  um unser Nachtlager aufzuschlagen.  Nach fünf Tagen Paddeln und mit absolut leeren Vorratstaschen erreichen  wir das Ende des Sees. Stolz, ja schon fast etwas herablassend, winken wir  den thailändischen und chinesischen Touristen, die hier mit Motorbooten zu  einem Aussichtsturm mitten im See und wieder zurück gefahren werden.  Wir haben’s aus eigener Kraft geschafft! Etwas wehmütig laden wir das  Gepäck wieder auf die  Drahtesel um und machen  uns auf Richtung Vientiane,  der Hauptstadt von Laos. Die Strasse hat uns wieder! Das grosse Dorf  Vientiane ist zwar die Hauptstadt von Laos, hat aber eher den Charme eines  zu gross geratenen Dorfes: Keine Hochhäuser, keine Konsum-, dafür  unzählige buddhistische Tempel. Einige Tage geniessen wir Lao-Massagen,  das gute Internet im Guesthouse und das westliche Essen im Touristenviertel,  bevor wir die Friendship-Bridge über den Mekong überqueren und nach  Thailand einreisen.  < Übersicht