Impressum  Kontakt Malaysia  4. - 21. Mai 2014  Alpha und Omega in Malaysia  Das Dengue-Fieber hat keine Spuren hinterlassen und so radeln wir flott weiter der  Ostküste entlang Richtung Malaysia. Wegen grosser Unruhen zwischen islamischen  Separatisten und der Regierung haben uns viele Leute abgeraten, den südlichsten  Zipfel von Thailand zu bereisen. Es gibt dort regelmässig Entführungen und Tote  durch Schiessereien oder Bombenattentate. Deshalb queren wir Thailand kurz vor  Songkhla wieder und passieren bei Dan Nok die Grenze zu Malaysia. Einen solch  unspektakulären Grenzübertritt haben wir seit Europa nicht mehr erlebt! Zwei  Minuten für den Ausreisestempel und zwei weitere auf der Malaysischen Seite. Da  werden und sogar gratis 90 Tage Aufenthaltserlaubnis in den Pass geknallt. In Alor Setar, der ersten grösseren Stadt in  Malaysia, machen wir uns auf die Suche nach einem Supermarkt. Als Andy beim Anfahren  kräftig in die Pedale tritt – ratsch – reisst die Kette. Kein Grund zur Sorge, denn mit einem  Kettenschloss ist der Schaden schnell behoben. Gerade als er versucht seine dreckigen  Hände wieder etwas sauberer zu kriegen, steuert ein junger Mann mit bunter  Baseballkappe auf uns zu. Er begrüsst uns in akzentfreiem Englisch und drückt mir eine  Visitenkarte in die Hand. Sein Vater sei Pastor hier und wenn wir möchten, dürfen wir  gerne bei ihnen übernachten. Wir sind uns nicht mehr gewöhnt, von der Strasse weg  eingeladen zu werden. Aber als dann auch der Pastor auftaucht, zerstreut sich unser  Misstrauen und wir folgen ihrem Auto zum Haus der Familie.  In Westmalaysia besteht die Bevölkerung aus etwa 60 Prozent Muslimen und 40 Prozent Andersgläubigen. Pastor Kuilan ist  Vorsteher der Baptisten-Kirche in Alor Setar. Er hat ein grosses Herz und macht viel für seine Gemeinde. Er bietet nicht nur  stinkigen Radtoureros oder anderen Reisenden eine Unterkunft, sondern betreibt auch ein Waisenhaus, ein Heim für  Menschen mit Behinderung, eine Suppenküche für Obdachlose, kümmert sich um die Familien von inhaftierten Straftätern,  bietet Ehevorbereitungsgespräche an und leitet einen Kindergarten mit 600 Kindern. Obwohl Pastor Kuilan ein  vielbeschäftigter Mann ist, nimmt er sich viel Zeit, um mit uns Essen zu gehen oder über Gott und die Welt zu diskutieren.  Es ist wunderbar, wenn ein Land einem gleich zu Beginn mit solch herzlichen Menschen und berührenden  Erlebnissen  überrascht. So haben sich nämlich viele unserer Vorurteile und Stereotypen in Luft aufgelöst und wir sind sicher, dass wir  auch den Rest von Malaysia mit einer positiven Grundhaltung wahrnehmen werden.  Trotz des guten Starts, trübt eine Nachricht aus der Schweiz unsere Stimmung. Der  Gesundheitszustand von Rosy‘s Mutter hat sich in den letzten Wochen stark  verschlechtert. Uns wird schnell klar, dass nun der Zeitpunkt gekommen ist, nach  Hause zurück zu kehren. Verschiedenste Gefühle begleiten uns während der  (vorerst) letzten zwei Wochen in Asien. Einerseits die Sorge um unsere Familie,  Bedauern über das Ende der Reise, aber zugleich grosse Freude übers  Heimkommen. Wir freuen uns sehr all die lieben Verwandten und Freunde wieder zu  treffen, endlich wieder mal Shinson Hapkido zu trainieren oder am chline Schiiä alte  Routen neu zu erklimmen. Ja, die organisierte, solide Schweiz. Wir freuen uns auf  sie. Vieles vor der Reise als selbstverständlich Angesehene oder nicht einmal  Wahrgenommene bekam im letzten Jahr eine völlig neue Bedeutung: Trinkwasser  aus dem Wasserhahn, Lavabos die dicht sind und einem nicht auf die Füsse tropfen. Dank tadellosen Internetleitungen können wir uns mit den Online- Videos von „Giacobbo/Müller“ auf den bevorstehenden  Kulturschock vorbereiten. Noch grösser wird vermutlich nur der Kälteschock. Gestern warteten wir das Ende eines heftigen  Monsungewitters unter einem Dächli ab. Rosy fröstelt bei kühlen 27°C. Zum Glück hatte sie noch ein Merino Pullöverchen  dabei. Trotz oder gerade wegen des baldigen Endes der Reise, geniessen wir Malaysia noch  in vollen Zügen. Das multikulturelle Land gefällt. In Thailand darf kein Ausländer Land  kaufen, weshalb es zwar viele Touristen aber wenig permanent dort lebende  Ausländer gibt. In Malaysia ist das anders. In George Town zum Beispiel, logieren wir  direkt in Little India. Laute indische Musik dröht über die Strasse, in den Läden  werden schillernde, bunte Saris oder indische Lebensmittel verkauft und viele Frauen  tragen die hinduistischen, roten Punkt auf der Stirn. Wir schätzen vor allem die grosse  Auswahl an leckeren vegetarischen Gerichten in den indischen Restaurants. Auf der  anderen Strassenseite sitzen verschleierte Frauen zusammen im Cafe und um die  Ecke gibt’s Nudeln beim Chinesen. Sehr viele Geschäfte und Restaurants in Malaysia  sind in chinesischer Hand. Für uns ist das manchmal ein bisschen ein China-Revival und wir packen unsere paar Brocken  Chinesisch wieder aus. Aber viele Leute sprechen hier sehr gut Englisch. So entstehen auch bei kurzen Bekanntschaften  zwischendurch interessante, bereichernde Gespräche. Egal aus welchem kulturellen Hintergrund,  die Menschen hier sind sehr hilfsbereit, interessiert und offen. Mehrfach werden wir zum  Übernachten eingeladen oder mit Kuchen, Früchten oder Getränken beschenkt.   Nur das Velofahren ist auf der Strecke zwischen Alor Setar und Kuala Lumpur leider nur selten ein  Vergnügen. Auch die kleinen zweispurigen Strassen sind meist stark befahren von  umweltverpestenden, alten Lastwagen, PW‘s und Knattertöfflis. Nach besonders schlimmen  Fahrzeugen ist die Strasse noch minutenlang von einer schwarz-grauen, wabernden Abgaswolke  eingehüllt. So freuen wir uns umso mehr auf die saubere Schweizer Luft.  Morgen werden wir Kuala Lumpur erreichen, wo wir bei einem Mitglied von warmshowers.org  wohnen und uns auf die Heimreise vorbereiten werden. Am 22. Mai landen wir in Frankfurt und  werden dann auf unseren treuen Stahlrössern noch die letzten Kilometer dem Rhein entlang  Richtung Zentralschweiz pedalen.   < Übersicht