Impressum  Kontakt Thailand  4. Februar - 4. Mai 2014  Ein kleines Stück Heimat  „Hallo zäme, chönd s’Telefon abhänke!“ So begrüsst uns Adi von seinem Roller aus, als wir ihn  beim vereinbarten Treffpunkt anrufen. Schön wieder mal Schweizerdeutsch zu hören. Adi, mit  dem wir über sieben Ecken verwandt sind, ist mit Ploy, einer Thailänderin, verheiratet und wohnt  seit sechs Jahren in einem kleinen ruhigen Dörfchen in der Nähe von Udon Thani. Durch die  offene und unkomplizierte Art der beiden, fühlen wir uns sehr willkommen und bald wie zu  Hause.  Adi der Meisterkoch, hat für sich im Haus eine richtige Falang-  Küche eingerichtet. Während die normale Thai-Küche mit zwei  Gas-Rechauds ausgestattet ist und sich draussen im Hof befindet, verfügt seine Küche über  einen europäischen Aussrüstungsstandard. Nach zehn Monaten kochen auf dem Benzinkocher,  freuen wir uns vor allem über den Backofen. Selbst gemachte Pizza und Aufläufe sind eine  wunderbare Abwechslung auf unserem Speiseplan. Auch Salat verschlingen wir in  Monsterportionen. Als kleine Gegenleistung bringen wir Adi’s Velo, welches er noch aus der  Schweiz mitgebracht hat, wieder auf Vordermann.  Die Fasnacht müssen wir auch in Thailand nicht vermissen  Obwohl wir selten mehr als zwei Tage im Voraus planen und noch seltener Reiseführer lesen,  schaffen wir es, genau zu einem der wichtigsten Kultur-Events in Lop Buri, Thailand zu sein.  Eigentlich ist die Stadt berühmt für ihre historischen Tempel und die vielen freilebenden Affen,  die das Zentrum bevölkern.   Um die grösste Hitze zu vermeiden und den Nachmittag dösend in einem lauschig- kühlen  Bungalow verbringen zu können, fahren wir hier in Thailand immer morgens um sechs Uhr  dreissig los. Lop Buri erreichen wir deshalb schon um elf Uhr dreissig. Schnell deponieren wir  unsere Besitztümer im Hotelzimmer und fahren mit den Velos ins Zentrum. Schon da bemerken  wir ungewöhnlich viele traditionell angezogene Menschen und Marktstände, die ebendiese  Kleider verkaufen. Was es aber damit auf sich hat, realisieren wir zu diesem Zeitpunkt noch  nicht ganz. Wir sind mehr damit beschäftig nicht vom Affen gebissen zu werden und dennoch  einige Fotos von den frechen und wenig scheuen Biestern zu knipsen. Nach erfolgreicher  Nahrungsmittelsuche finden wir unsere Biciclettis dreckverschmiert und übersät mit Haaren  und Fingerabdrücken kleiner Affenhände. Die pelzigen Akrobaten scheinen Perfektion auf zwei  Rädern auch zu erkennen.  Am Abend finden wir Lop Buri in festlicher Stimmung wieder. Unzählige Lampen, Lichterketten,  Wasserspiele, überdimensionale Papierschmetterlinge, grosse Bühnen, Blumenbeete und  Girlanden in allen Farben dekorieren die ohnehin schon exotische Altstadt. Viele   Menschen sind wunderschön, dem asiatischen Mittelalter entsprechend, verkleidet und  geschminkt. Wir haben das Gefühl durch eine Filmkulisse zu schlendern. Frauen in prunkvollen  seidenen Kleidern, hochgesteckten Haaren und falschen Wimpern schreiten würdevoll durch  die Menge. Männer in goldenen Rüstungen posieren und kleine Prinzessinnen ganz in Weiss  naschen Süssigkeiten von einem der vielen Essenstände. Die King Narai Reign Fair findet jedes  Jahr zu Ehren des Königs Narai des Grossen statt, der das thailändische Königreich zwischen  1656 und 1688 regierte.   Schön, nicht mal die Fasnacht müssen wir hier vermissen. Obwohl, als ich einen alten Mann  mit „Sind so guät, liäbe Maschgarad“ anspreche und danach lauthals kreische, schaut er mich  sehr verständnislos an und Orangen gibt es auch keine.   Zahme Hirsche und freche Affenbande  Nachdem wir ihnen in Laos innerhalb von zwei Tagen mehrmals begegnet sind, haben uns Pakorn und Suradet zu einer  Rundtour in den Kao Yai Nationalpark eingeladen. Die thailändischen Tourenradler sind beide schon in den späten Fünfzigern,  aber noch immer fit wie fabrikneue Flip-flop‘s. In einer Monsteretappe fahren wir von Pathum Thani Richtung Nordosten und  bringen die grosse Ebene rund um Bangkok mit den unzähligen Kanälen hinter uns. Beim Eingang des ältesten Nationalparks  zeigt Pakorn Verhandlungsgeschick. Statt der für Ausländer üblichen 400 Baht Eintritt, zahlen wir nur 40 Baht wie die  Einheimischen und die Fahrräder sind sogar gratis. Unsere Veloreise hat scheinbar Eindruck gemacht!  Auf dem Campingplatz tummeln sich unzählige Hirsche, welche (leider)  kaum mehr Scheu zeigen vor den Menschen. Im Gegenteil, wir müssen die  Esswaren besonders gut verstauen und dürfen ja keinen Abfall rumliegen  lassen, sonst sind sofort die Hirsche oder freche kleine Makaken (Affenart)  zur Stelle und klauen schlimmer als die Taschendiebe auf dem Markusplatz.  Die meisten anderen Tierarten zeigen sich aber eher scheu. Dennoch sehen  wir etliche weitere Affenclans, Warane, Hornbills und unzählige  Schmetterlinge in allen Formen und Farben. Einzig von den wilden Elefanten  sehen wir nur die Dunghaufen.   Wir sind tief Beeindruckt von der Schönheit und Artenvielfalt des  Nationalparks, so dass wir beschliessen gleich noch einen weiteren Park zu  besuchen, um noch etwas Natur und Einsamkeit zu tanken, bevor wir uns  auf den Weg nach Bangkok machen.  Besuch aus der Schweiz  Ausgang A,B oder C? Die grosse Infotafel bleibt schwarz und die Aussage des Help-Desk-Mitarbeiter diffus. Die thailändische  Lebensweise zeigt sich auch in der Organisation des Flughafenbetriebs. Ah, da sind sie ja endlich! Die riesigen  Kartonschachteln, in denen die beiden Velos verpackt sind, sind nicht zu übersehen. Dahinter Marcel und Erika, die beiden  Geschwister von Rosy, welche nun für einen Monat mit uns mitradeln werden.  Unser täglich Treibstoff - Benzin für die Beine  Als wir gemütlich durch die berühmt, berüchtigte Kaosan-Road in Bangkok  schlendern, entdecken wir es. Von einer fotografierenden Touristenmeute  belagert, steht es da: das Thai-Food-Gruselkabinett! Frosch und Skorpion am  Stiel, Heuschrecken, Maden, Kakerlaken und anderes Gewürm zaubern alle  möglichen Erregungszustände, vom verlegenen Lächeln über tapfer mutig bis  angeekelt auf die Gesichter der Umstehenden. Marcel findet seinen Frosch „nu  chäch guet“. Erika ist weniger begeistert vom Gefühl der Käferbeine auf der  Zunge. Wir als Vegetarier haben eine gute Ausrede, um nicht probieren zu  müssen.  Das Thema „Essen“ nimmt als  Radnomade einen viel höheren Stellenwert ein, als im normalen Arbeitsalltag.  Denn mit jedem gestrampelten Kilometer steigt auch der Bedarf an Treibstoff  und so sind wir ständig hungrig und verschlingen unglaubliche Portionen. In  China wurden wir nach der Bestellung im Restaurant des Öfteren gefragt, wie  viele Personen denn noch kommen.  Entgegen unseren Erwartungen, ist Thailand eines der anstrengendsten Länder,  was die Nahrungsbeschaffung betrifft, obwohl das Angebot überwältigend ist!  Alle paar Kilometer gibt es einen Seven-Eleven (grosser Kiosk) und entlang der  Strassen wimmelt es nur so von Nudelbuden, Grillständen und anderen  Strassenrestaurants, die alles nur Erdenkliche anbieten. Zu unserer  Enttäuschung sind die allermeisten Gerichte mit Fleisch oder Fisch. Und so  bleiben leider meist nur Nudelsuppe, Kao Pad Pak (gebratener Reis mit Gemüse) oder Pad Thai (Nudelgericht) übrig.   Auf jedem Restauranttisch findet sich eine Flasche, mit einer hellbraunen Flüssigkeit. Die berühmte Nam Bla konzentriert den  Geschmack und Gestank eines ganzen Fischmarktes auf wenige Deziliter. Wir sind keine Fans, aber die meisten Thais  schwören auf das Gebräu. Neben der Fischsauce sind Zucker und Chili omnipräsent und in jedem Gericht zu finden. Es ist  völlig normal, eine Nudelsuppe mit 2-3 Esslöffeln Zucker zu „würzen“. So verwundert kaum, dass es in Thailand mehr  Übergewichtige gibt als anderswo in Asien. Ein thailändisches Sprichwort besagt: Wer dick ist, ist glücklich. Uns machen vor  allem die neuesten Entdeckungen glücklich: Sticky Rice mit Banane und Kokosmilchreis mit Mango. Himmlisch! Wo immer wir  einen Stand mit den in Bananenblättern eingehüllten Speisen oder den goldgelben Mangos entdecken, machen wir Halt und  verdrücken eine Monsterportion. So ist der Tank für die nächsten paar Kilometer wieder voll.  Recycling-Kunst statt Stempellust  -  Visa-Run nach Myanmar   „Stempel, Stempel? Myanmar?? Heute zurück?“ werden wir von einem Mann in weiss schwarz gestreiften T- Shirt  angesprochen, sobald wir uns dem Pier nähern. Schnell sind wir uns über den Preis einig und so geht für uns der Visa- Run  los. Speditiv zeigt uns der Matrose wo welches Zettelchen und wo welcher Stempel für die Ausreise aus Thailand zu holen ist. Uns ist das zügige Vorgehen nur zu Recht. Denn Erika und Marcel Fässler, die immer noch mit uns das Radtourero- Leben  geniessen, warten in einer ungemütlichen Imbissbude auf uns. Wie viele andere, wollen wir mit einer möglichst kurzen Reise  nach Myanmar und einer zweiten Einreise nach Thailand unser Visum verlängern. Dieses Geschäft floriert. So gibt es von  überall her Busreisen zum Grenzort Ranong, wo die Falang  (Ausländer) schnell für eine Stunde das Land verlassen um  danach mit demselben Bus wieder zurück fahren.  Am Hafen geht es zu und her wie in einem Bienennest.  Schnellboote, bessere Nussschalen mit Rasenmähermotor,  legen an oder knattern mit „Grenzgängern“ davon. Auf dem  Meeresabschnitt zwischen Myanmar und Thailand herrscht  Hochbetrieb. Gerade als wir uns mit etwa drei anderen  Schnellbooten ein Kopf an Kopf rennen liefern, steigt unser  Motor aus. Doch unser Matrose rüttelt gekonnt am Tank und  schon beim ersten Mal springt der Motor wieder an. Puhh,  Glück gehabt! Nur die Spitzenposition sind wir jetzt los.   Nach einer halbstündigen Fahrt erreichen wir Myanmar. Das  Immigrationsbüro ist nur wenige  Schritte von der  Anlegestelle entfernt. Drinnen warten sicher fünfundzwanzig  Leute. Wo die Schlange anfängt und wo sie endet ist nicht  ersichtlich. So stellen wir uns einfach an den Tresen. Eine junge Offizierin füttert den Computer mit Daten aus einem grossen  Stapel grüner Pässe. Neben ihr sitz ein scheinbar ranghöherer Beamter in cremefarbener Uniform. Seelenruhig bastelt er aus  einer PET-Flasche mit Schere und Postitch einen sehr kunstvollen Fisch. Überraschter hätte mein Blick wohl nicht sein  können. Ungerührt antwortet er darauf: „Bin gleich soweit“. Sobald ich meine Gesichtszüge wieder im Griff habe, lächle ich in  thailändischer Manier. Er lächelt ebenfalls und zeigt mir seine vom Kautabak rotbraun verfärbten Zähne. Auf dem Tresen  entdecke ich weitere wundervolle Kunstwerke aus recyceltem PET. Da hat  wohl jemand den falschen Job erwischt! In diesem Moment kommt unser  tempobedachter Matrose zur Tür hinein und sagt einige Worte zum  Recycling-Künstler in Uniform. Behutsam stellt er sein Werk beiseite und  fragt: „Heute noch zurück?“ Mit derselben Behutsamkeit, wie er zuvor die  PET-Flasche bearbeitet hat, drückt er dann die Ein- und Ausreisestempel in  unsere Pässe. Schmunzelnd ob der absurden Szenerie verlassen wir das  Büro und brausen zurück nach Thailand.  7 gute Gründe in einer Bumsstube zu übernachten  Zugegeben, der Titel ist nicht ganz jugendfrei, aber “Bumsstube” ist nun mal  einfach der treffendste Ausdruck! Viele Thais, vor allem auf dem Lande, leben mit ihrem Familienclan oft in mehr oder  weniger kleinen Hütten und Häusern. Neben vielen Vorteilen, hat diese Lebensform doch auch Nachteile, einer davon ist die  mangelnde Privatsphäre. Dieser Umstand bringt Paare und untreue Partner dazu, sich andere Orte zu suchen, um sich zu  vergnügen. So finden wir in vielen kleineren Ortschaften, resp. etwas ausserhalb Bumsstuben. Hotels also, die prickelnde  Namen wie “Love Inn” oder gar “Seed House” tragen, die 24 Stunden bedient sind und wo man sich meist nur stundenweise  einmietet.  Da es schon öfters vorgekommen ist, dass wir mangels Alternativen in einer solchen Bumsstube übernachtet mussten, haben  wir mittlerweile viele Vorteile dieser Einrichtungen schätzen gelernt. Hier also ? gute Gründe, warum auch ihr beim nächsten  Thailand-Urlaub in einer Bumsstube übernachten solltet:  1. Preis  Je nach check inn time variiert zwar der Preis, liegt aber immer in unserem  Budget und ist fair, für das was man kriegt (400-600 Baht = 10-16 SFr.). 2. Klimaanlage   Die Zimmer sind durchgehend mit Klimaanlage ausgestattet, was uns eine  kurzzeitige Flucht aus dem feucht-heissen Steamer-Klima ermöglicht und uns  ruhig schlafen lässt, da wir nicht ständig fürchten müssen im eigenen  Schweiss zu ertrinken. 3. Sauberkeit  Die gefliesten Zimmer gewinnen zwar keinen Designpreis, sind aber immer  sehr sauber geputzt und meist sogar desinfiziert.  4. Stabile Betten Schon manche Freude über ein billiges Zimmer wurde durch eine schlaflose Nacht getrübt, weil das Bettgestell oder die  Matratze schon uralt und durchgelegen oder sonst von miesester Qualität waren. In den Bumsstuben sind die Bettgestelle  betoniert und gefliest! Da kann nichts wackeln! Und auch die Matratzen halten was aus. Rosy wird nicht gleich an die Decke  katapultiert, wenn ich mich mal drehe.  5. Freundlichkeit und Diskretion  Wir werden stets freundlich und schnell bedient. Kaum sind wir auf dem Vorplatz des Zimmers, wird hinter uns ein dicker  Vorhang gezogen. So sind Fahrzeuge vor der Sonne und neugierigen Blicken geschützt! Pässe oder Namen sind unwichtig,  wer den Zimmerpreis in bar bezahlt, hat eine ruhige Nacht.  6. Schallisolation  Wenn keine Geräusche von innen nach aussen dringen können, so funktioniert das auch umgekehrt! In Bumsstuben  verbringen wir die ruhigsten Nächte: Keine Geheul von streunenden Hunden und kein Lärm von spät heimkommenden  chinesischen Touristen. 7. Fensterlosigkeit Die Zimmer mit Parkplatz sind wie eine Reihenhaussiedlung angeordnet und meist fensterlos. Dies erhöht den Wirkungsgrad  der Klimaanlage, da nicht durch schlecht verglaste Fenster oder gar Lamellenfenster heisser Steamer-Dampf eindringen  kann. Nachts ist es stockdunkel und der Weg ins Traumland somit nicht von Flutlichtanlagen und Autoscheinwerfern  überbeleuchtet. Wen diese sieben Gründe noch nicht überzeugen, dem raten wir es doch einfach selber mal auszuprobieren. Und wenn man  dann schon mal da ist... Juhubiläum - 1 Jahr Two on Tour Genau heute zeigt sich keines der Super Diamond Exotic Garden View Resorts mit Swimming Pool und Spa, vor denen wir  normalerweise unser Reisebudget beschützen und weiterradeln. Genau heute, wo wir gewillt sind die grossen Noten  auszupacken und uns mal was zu gönnen. Denn genau heute sind wir seit einem Jahr unterwegs!  Wir finden ein schönes Plätzchen, bei freundlichen Leuten und zu einem Preis, bei dem wir unsere Feilscherfertigkeiten  getrost stecken lassen können. Aber wir hätten uns für heute was anderes gewünscht. So sind wir aber weder durch ins Meer fliessende Pools oder gratis Massagen abgelenkt und finden genügend Zeit auf die letzten 365 Tage zurückzublicken. Jeder Aufbruch ins Nicht-Alltägliche, ins Unbekannte schürt Ängste und Bedenken. Die meisten davon werden innert Kürze  belanglos. So auch bei uns. Die Fitness entwickelte sich von selber, unser Material hielt auch widrigen Bedingungen stand und  wir lieben uns noch immer sehr! Was wir tatsächlich alles erlebt haben, füllt mittlerweile mehrere Tagebücher. Kurze  Ausschnitte davon waren jeweils in dieser Reisekolumne zu lesen. Wir haben Kälte und Hitze getrotzt, hohe Pässe und flache  Wüsten befahren. Vor allem aber haben wir überall freundliche, grosszügige und hilfsbereite Menschen getroffen.  Gelernt haben wir, im Hier und Jetzt zu leben und uns keine Sorgen zu machen. Denn jede noch so ausweglose oder Nerv  tötende  Situation hat sich plötzlich ins Gegenteil gewandelt. Und meist haben wir just im richtigen Moment jemanden  getroffen, der uns den perfekten Ratschlag gab, für das, wonach wir gerade Ausschau hielten. Reiseführer lesen wir  grundsätzlich keine. Lieber folgen wir den Tipps von Einheimischen oder anderen Reisenden.  Oft werden wir gefragt, ob es nicht schwierig sei, wenn man tagtäglich 24 Stunden zusammen verbringt. Unsere Erfahrung  zeigt das Gegenteil. Wir wurden viel sensibler für die Stimmungen und  Bedürfnisse des anderen und streiten uns nur äusserst selten. Auch  anderen Schwierigkeiten und brenzligen Situationen sind wir wenig  begegnet. Einzig als wir in der Osttürkei von Jungs mit Steinen  beworfen und Hunde auf uns gehetzt wurden, waren wir schockiert und  hatten wir für einige Tage eine gewisse Skepsis gegenüber den  Einheimischen an den Tag gelegt. Am Ende der Rückschau sind wir uns nicht einig, welches der schönste  oder der schwierigste Moment war. Von beiden haben wir unzählige  erlebt. Wie die Zukunft aussieht, wissen wir selber noch nicht genau.  Solange Lust und Begeisterung da sind, wollen wir weiter radeln. Nur  eines wissen wir mit Sicherheit: Diese Reise ist das Beste, was wir je  gemacht haben! Ins Hospital meditiert  Sieben Tage schweigen, nur 2 Mahlzeiten pro Tag, auf jegliche  elektronische Geräte, sowie lesen und schreiben verzichten, auf harten Matten schlafen, um vier Uhr morgens aufstehen und  sich nur mit kaltem Wasser waschen. Wer so was freiwillig macht, der ist doch verrückt! Doch für mich war es die  anstrengendste aber auch bereicherndste und luxuriöseste Woche meines bisherigen Lebens.  Wir stellen unsere Fahrräder ein, um auf der Insel Pangan, Thailand an einem Vipassana- Schweige- Meditations- Kurs beim  Tempel Kow Tham teilzunehmen. Das Ziel der 2600 jährigen Vipassana-Meditation ist, im Hier und Jetzt zu leben und  Ausgeglichenheit, Geduld und Mitgefühl zu entwickeln. Am Ankunftstag treffen allmählich fünfzig Leute aus aller Welt ein.  Nach einem Rundgang am Abend versammeln wir uns in der Meditationshalle, wo die letzten Fragen geklärt werden. Mit  einem leisen Glockenschlag beginnt die Zeit des Schweigens.     Das Tagesprogram für die sieben Tage ist intensiv. Die Anwesenheit zu hundert Prozent Pflicht. Meditation im Sitzen und im  Gehen, Unterricht, Essen, Ämtchen und Yoga sind die Inhalte. Wie für viele andere, sind auch für mich die ersten zwei Tage  die Hölle. Muskelschmerzen von der ungewohnten Haltung und Gedanken, die sich drehen wie sonst nur die Pedale meines  Velos, plagen mich. Doch erstaunlicher- und erfreulicherweise wird es tatsächlich ab Tag drei besser. Der Körper hat sich mit  der Situation versöhnt und plötzlich beobachte ich kurze, höchst angenehme ruhige Momente in dem Chaos meines Kopfes.  Der Luxus eines solchen Kurses ist sich um nichts kümmern zu müssen. Die Zeit, die dadurch frei wird, kann dazu genutzt  werden, die eigene Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit zu steigern.   Am Tag fünf werde ich jedoch jäh aus meinem Film gerissen. Ich bekomme die Nachricht, dass Andy krank ist. Als er nicht  zur Meditation erscheint, weiss ich, dass es ernst ist. In seinem Zimmer finde ich ihn mit vierzig Grad Fieber. Sofort fährt uns  Marc, der Manager des Meditationscenters, zum Arzt. Die Diagnose lautet: Dengue Fieber. Dieses wird von einer Mücke  übertragen und beschert einem für sieben Tage sehr hohes Fieber mit starken Muskelschmerzen. An Meditation ist nicht mehr  zu denken. Andy verbringt die letzten zwei Tage des Kurses fiebrig, glühend  unter dem Mückennetz. Als am Tag acht das Schweigen mit einem Glockenschlag wieder beendet wird,  ist die Stimmung euphorisch und das Redebedürfnis gross. Leider  verschlechtert sich Andys Zustand an diesem Tag erneut. Am Ende der  Fieberphase gibt es bei eins bis fünf Prozent der Denguefälle Komplikationen,  die tödlich enden können. Dieses Risiko wollen wir nicht eingehen und packen  für einen Spitalaufenthalt. Während ich mich zweieinhalb Stunden lang mit  einer  Dame der SOS- Hotline unserer Krankenkasse herumärgere, liegt Andy  zitternd mit Schüttelfrost und schmerzgeplagt auf dem Schragen der  ambulanten Notaufnahme. Um zweiundzwanzig Uhr dreissig wird er endlich  mit Blaulicht und per Speedboat ins Spital auf die Nachbarinsel Samui  gebracht. Drei Tage später wird er zum Glück wieder aus dem Spital entlassen.  Jetzt erholen wir uns noch einige Tage, um uns hoffentlich möglichst bald wieder in die Sättel zu schwingen. < Übersicht