Impressum  Kontakt Turkmenistan 16. - 20. August 2013  Willkommen in Absurdistan  Von Badgiran, dem Grenzort zwischen Iran und Turkmenistan düsen wir zwischen den  letzten Bergen hinunter in die Ebene Richtung Ashgabt. Nach vier Stunden Grenztheater  hatte uns der letzte Beamte, der natürlich nochmals unseren Pass sehen wollte,  ausdrücklich ermahnt: "Don't stop and no photos!". Doch wir missachten beide Verbote,  denn zu grandios ist die Landschaft.  Der Kulturschock in Ashgabat könnte kaum grösser sein. Der Iran war  laut,  abgasgeschwängert, schmutzig, halbfertig oder halbzerfallen und vollgestopft mit  freundlichen und hilfsbereiten Menschen. In Ashgabat gibt es achtspurige Strassen, auf  denen kaum ein Auto fährt. Klimatisierte Bushaltestellen, an denen niemand wartet.  Verwaiste riesige Parks mit unzähligen Springbrunnen und  Wasserspielen. Prunkvollste Bauten mit viel Marmor und Glas, die Banken, Theater und das  Ministerium für Pferde oder Teppiche beherbergen. Vor einigen Jahren wurden alle  Strassennamen gestrichen und durch vierstellige Zahlencodes ersetzt. Bei der Hotelsuche stellen wir fest, dass Touristen den dreifachen Preis bezahlen. Verhandeln  sinnlos! In der Lobby liegen mehrere Ausgaben einer Zeitschrift auf. Auf jedem Cover ist der  Präsident (wir würden sagen der Diktator) zu sehen. Auch sonst ist sein Konterfei omnipräsent  und lächelt einem von überdimensionierten Plakaten mit der immer gleichen Ausdruckslosigkeit  entgegen. Nach fünf Minuten Fernsehnachrichten habe ich das Gefühl, das öffentliche Leben  bestehe nur aus Volkstänzen, Militärparaden und Eröffnungszeremonien von Museen oder   Frisch geduscht fahren wir zum Yimpash, dem riesigen und einzigen Einkaufs- und  Vergnügungszentrum. Auf drei  Stockwerken findet man fast alles, was das Herz begehrt: von Lebensmitteln über Kleider und Elektronikartikel, bis zu  Spielhallen. Im Restaurant wird uns als Speisekarte ein Ipad gereicht und die Bestellung erfolgt per Iphone. Sowas wäre  sogar bei uns sehr modern. Allzu lange dürfen wir dem Konsumwahn aber nicht  frönen, denn ab 23.00 Uhr sind draussen viele Polizisten unterwegs, um die  Sperrstunde durchzusetzen. Der Präsident findet Radfahren super und so finden auch alle Turkmenen Radfahren  super. An den Wochenenden sind tausende Velofahrer in den Strassen Ashgabat's  unterwegs. Am 1. September, dem Nationalen Tag des Radfahrens, ist es gar  verboten, andere Transportmittel zu benutzen. Da wir nur ein 5-Tage-Transit-Visum  erhalten haben, müssen wir vorläufig aufs Velofahren verzichten und die 600 km bis  zur usbekischen Grenze mit motorisierter Unterstützung zurücklegen.  Mit einem Minibus fahren wir nach Mary, welches etwa auf halber Strecke bis zur  Grenze liegt. Schon wenige Kilometer hinter Ashgabat wird aus der vierspurigen  perfekten Autobahn eine Rumpelpiste. Ohne Rücksicht auf Mensch und Material brettert der Fahrer mal rechts, mal links mit  Vollgas über die löchrige Piste. Wir werden ordentlich durchgeschüttelt. Noch mehr fürchten wir aber, dass unsere Räder  Schaden nehmen könnten, die auf den Rücksitzen immer wieder bis unter die Decke katapultiert werden.  Auch in Mary sind die Hotelpreise (für Touristen) astronomisch, so dass wir beschliessen etwas ausserhalb zu campieren. Als  wir aus der Stadt fahren, werden wir von einem Auto angehalten. Max will wissen woher wir sind und lädt uns spontan zu  sich nach Hause ein. Eine sehr nette Geste, für uns aber eine etwas schräge Erfahrung. In der winzigen Zweizimmerwohnung  warten nämlich zwei Frauen auf uns. In die eine sei er verliebt und die andere (erst 16jährige) sei zum Arbeiten da. Wir  fragen uns jedoch, wie viel Liebe wirklich im Spiel ist. Denn die andere Frau hat ein blaues Auge und beide erzählen stolz,  Max hätte sie im Suff geschlagen. Später am Abend erscheint noch eine dritte Freundin. Es sei normal hier, mehrere Frauen  zu haben. Wir sind froh haben wir einnen Schlafplatz und sind froh, als wir am nächsten Morgen auf unsere Velos sitzen  können und in die Wüste fahren.  Doch auch die Wüste hat ihre eigenen Gesetzte. Wir wollen/müssen die 240 km bis  Turkmenabat in zwei Tagen zurücklegen. Anfangs kommen wir recht flott voran. Am  Nachmittag beginnt aber, wie so häufig, ein starker Wind zu blasen - natürlich geanu von  vorne. Nach 100 km sind wir ziemlch am Ende und nach einer Lagebesprechung beschliessen  wir, einen Laster anzuhalten. Tatsächlich nimmt uns gleich der erste mit. In Turkmenabat steigen wir in einem wahnsinnig protzigen Hotel ab. Wenigsten sind aber  hier die Preise erträglich. Dank unserem Lastwagenlift verbringen wir hier einen Ruhetag.  Dann verschleudern wir auf dem Basar die letzten Manat (es ist verboten Landeswährung  auszuführen) und fahren die 40 km bis zur USbekischen Grenze. Der Gott der Zöllner scheint  uns wohlgesinnt, denn nach nicht mal einer Stunde sind wir in Usbekistan. Turkmenistan wird eine kurze, aber sehr spezielle  Erinnerung bleiben.  < Übersicht