Impressum  Kontakt Usbekistan  20. August 2013 - 6. September 2013  Visa Odyssee in Tashkent Tashkent, Vokzal, Hauptbahnhof. Hier wird wohl der Tiefpunkt unserer Reise markiert. Wir stecken im Dilemma. Eigentlich  hätte uns die top gestylte und knackig angezogene Visa Agentin gestern schon anrufen sollen. Um 19.00 Uhr erfuhren wir  jedoch, dass sie ohne eine Nachricht für uns in den Feierabend verschwunden ist.  Heute Morgen vertröstete sie uns auf  15.00 Uhr. Um diese Zeit will ihr Boss im chinesischen Konsulat abklären, ob sie für uns die Visas beschaffen können. Jetzt ist  es schon über 16.00 Uhr und wir wissen nicht, ob wir weiter auf ihren Anruf warten sollen oder den Zug zurück, zu unseren  Fahrrädern, nach Samarkand nehmen sollen.   Angefangen hat die ganze Story in Buckhara. Für drei Tage geniessen wir die Perle des  Orients. Schon hier vernehmen wir die Hiobsbotschaft, bagatellisieren und verdrängen sie aber  gekonnt. In Samarkand, einer weiteren Stadt wie aus tausend und einer Nacht, drängt sich die  schlechte Nachricht erneut in unser gut gelauntes Bewusstsein. Angeblich soll es in ganz  Zentralasien keine chinesischen Visa mehr für Touristen geben.  Im Internet finden wir dies auf mehreren Seiten bestätigt. Dies gleicht für uns einer  Katastrophe. Die Chinesen wollen scheinbar verhindern, dass Individualtouristen durch die  autonomen Gebiete in Westchina reisen. Aber genau das haben wir vor. Alle anderen  Alternativen auf dem Landweg kommen für uns nicht in Frage.  China ist zu gross, um es  umfahren zu können. Und darüber hinwegfliegen? Die Räder in Kartons verpacken? Würg - nein, das wollen wir auch nicht.  Das nervigsten daran ist, dass die Chinesen ihre Visaregelungen scheinbar genau in diesen Monat verschärft haben. Bis im  Juli 2013 waren die China Visa in allen Stan- Ländern relativ einfach erhältlich.  Ohne zu zögern, nehmen wir am nächsten Morgen den Zug in die Hauptstadt Tashkent. Wir  müssen der Sache auf den Grund gehen. In halsbrecherischer Taxifahrt, bringt uns ein  freundlicher Usbeke zu einer Reiseagentur, die Visaangelegenheiten erledigt. Mit Hilfe der  Agentur rechnen wir uns bessere Chancen aus. Aber für uns drängt die Zeit. Wir wollen so  schnell wie möglich zurück nach Samarkand und dann zum Pamir Highway. Denn der führt über  4600 Meter hohe Pässe. Und dort wird es im September schon empfindlich kalt. Kurzerhand  entscheiden wir uns es doch selber mit dem Antrag zu versuchen. Wir, vergessen die Agentur  und verlassen den Bahnhof wieder, um direkt zur Botschaft zu fahren. Wenn wir es nicht selber  probieren, werden wir nie wissen, ob wir es trotz aller Schauergerüchten geschafft hätten.  Endlich hat das Nerv tötende, untätige Warten ein Ende. Wir sind froh unser Schicksal wieder in  unseren Händen zu haben.  Der Gang zur Botschaft war zwar erfolglos, aber unsere Stimmung ist deutlich besser, nachdem wir  nun eine Entscheidung gefällt haben. Den ganzen nächsten Tag verbringen wir im Hotel, wo wir den  Antrag vorbereiten. Der Antrag ist in kyrillischen und chinesischen Schriftzeichen geschrieben.  Super! Zum Glück gibt es das Internet, wo wir eine englische Übersetzung finden.    Nervös, wie vor einer wichtigen Prüfung machen wir uns auf zur Botschaft. Die eineinhalb Stunden  Warten kommen uns ewig vor. Punkt neuen Uhr geht es los. Das Warteschlangensystem  durchschauen wir nicht. Um acht Uhr warteten mit uns fünf andere Leute, jetzt kurz vor der  Türöffnung kommen sie von überall her und schlüpfen vor uns in die ersehnte Botschaft. Doch  plötzlich werden wir von einem Wartenden reingeschickt. Hinter einem verspiegelten Glas sitzen  zwei Chinesinnen. Eine prüft unseren Antrag penibelste.  Die Minuten scheinen endlose Stunden zu  sein. Während ich Stossgebete in den Himmel schicke, studiert sie unseren Reiseplan. Warum wir  nicht von Tashkent nach Peking fliegen?? Wir erklären, dass wir vorher noch nach Tajikistan wollen  und danach unser Usbekistan Visa abgelaufen ist. Aha. Wieso wir dann nicht in Kirgistan das Visa  beantragen? Äh, zu wenig Zeit, antworten wir unsicher. Nach weiteren Fragen, meint sie, sie werde  unsere spezielle Situation mit dem Konsul besprechen.  Höflich bedanken wir uns und warten noch  einige bange Minuten, sind aber optimistisch. Dann die Erlösung! Wir werden das Visum bekommen  und dazu noch für viel länger als erwartet. Zweimal siebzig Tage mit zweifacher Einreise. Den mutigen gehört die Welt!  Jubeln wir draussen. Die bittere Pille dazu: Wir können es erst in einer Woche abholen und die Chinesen haben unsere Pässe  behalten. Ohne Pässe können wir keinen Schritt machen in diesem Land. U-Bahn fahren, Zug fahren, Hotel buchen, einfach  für alles ist hier ein Pass notwendig. Für uns heisst das nun eine Woche im Hotel rumhängen…hoffentlich lohnt sich das  Warten! < Übersicht